Das geteilte Eheherz
- Norbert und Jutta Luginsland
- 15. März
- 4 Min. Lesezeit
Was das Herz der Ehe betrifft

Manchmal ist unser Herz betrübt und fühlt sich geteilt an – auch in unserem Eheherz kann es das geben.
Noch nie davon gehört? Okay. Prima. Dann bitte ich um deine Aufmerksamkeit:
In unserer Kindheit erleben wir Frustrationen, die verarbeitet werden wollen. Als Großvater eines Enkelkindes (wenige Monate alt) kann ich das gerade wieder ganz gut beobachten: Ungefiltert werden vom Baby Bedürfnisse artikuliert – sie scheinen fast das Einzige im Leben zu sein, was wirklich interessiert. Mit zunehmendem Alter des Kindes haben Eltern verständlicherweise immer weniger Verständnis dafür, dass Bedürfnisse ungefiltert und mit voller Wucht an Mama, Papa oder andere Menschen weitergegeben werden. Denn auch Eltern haben Bedürfnisse – und die sind naturgemäß oft gegenläufig zu denen des Kindes.
In der Konsequenz bekommen diese Gefühle nicht immer den Raum, den sie bräuchten. Das empathische Verständnis, das nötig wäre, um sie sofort zu befrieden, gibt es nur manchmal. Das Kind zieht daraus unbewusst Rückschlüsse und sagt sich: Mein Frust bekommt hier nicht den Raum, den es bräuchte. Was mache ich nur damit? Das fühlt sich ja furchtbar an.
Also versucht das Kind lieber das zu tun, was „angesagt“ ist und wofür es „Likes“ von außen bekommt. Natürlich ist das in jedem Familiensystem unterschiedlich. So wird die funktionale Seite des Herzens übermächtig. Eine Leistungsorientierung beobachten wir häufiger.
Doch was passiert mit der emotionalen Seite?
Oft werden diese Gefühle weggedrückt, damit keine schmerzhaften Emotionen mehr spürbar sind. Das wäre vielleicht auch nicht weiter schlimm – wenn es nicht irgendwann im Erwachsenenleben oder im Ehealltag zu Triggerpunkten käme. Die Seele lässt es zu, dass das Weggedrückte nach oben drängt.
Es ist wie ein Ölfeld, das angebohrt wird: Das Innere will entweichen. Die Seele schleudert mit Druck alte Dinge nach oben. Mir gefällt der Vergleich mit schwarzem Öl. Das Leben wird überlagert und bekommt eine trübe Färbung, die sich im ganzen Herzen ausbreitet – sogar die funktionale Seite wird eingetrübt. Aber das wäre ein eigenes Thema.
Was hat das mit dem geteilten Eheherz zu tun?
Dieses Muster lässt sich auch auf die Paarbeziehung übertragen. Nach Jahren der Herausforderungen und des miteinander Funktionierens entsteht mit der Zeit Beziehungsferne, der Austausch über tiefe Dinge wird erst vernachlässigt, dann vermieden. Erst weil es über lange Zeit wenig Zeit und Gelegenheit gab und der Spalt zwischen funktionalem und emotionalem Teil des Eheherzens immer größer wird. Ein zunehmend liebloses nebeneinander bestimmt den Alltag. Das Eheherz trübt sich ein und es legt sich wie ein Ölfilm über die gesamte Beziehung.
Versuche, das Herz wieder zusammenzubringen:
Bedürfnisse, die geäußert werden sind gut gemeint, werden aber als Vorwürfe ausgedrückt oder aufgefasst. Gefühlsausbrüche werden mit Rückzug, Rechtfertigung oder Gegenvorwürfen beantwortet. Die Zurückhaltung nimmt zu, um gegenüber dem Partner unverletzt zu bleiben. Die Erfahrung der Vergangenheit prägen das Zusammenleben. Das gekränkte Ego zieht sich zurück und spaltet sich ab - von den eigenen und von den Gefühlen des anderen. In der Vermeidung lebt es sich in dieser Phase scheinbar besser. Außer manchmal - da platzt es hochemotional heraus. Das Eheherz bricht zusehends. Und das Zusammenleben gestaltet sich mehr oder weniger als feindselig.
Altlasten in der Beziehung:
Nach einiger Zeit des Zusammenlebens hat sich einiges angesammelt, das so gar nicht mehr zur Sprache gebracht werden kann. Beispiele können sein:
Mental Load bei Hausarbeit oder einseitige Erziehungsarbeit
Beleidigungen und Lieblosigkeiten
eine emotionale oder körperliche Distanziertheit in der Intimität
...
Irgendwann gibt es keinen Raum der Begegnung mehr im Eheherz. Unsere Beobachtung ist, dass das jede Ehe und jede längere Paarbeziehung in der ein oder anderen Form erlebt. Und plötzlich funktioniert der Ehealltag nicht mehr richtig, weil die emotionale Seite des Herzens sich meldet – weil etwas „angebohrt“ wurde und das Altöl der Beziehung das Zusammensein überlagert.
Die Lösung
Selten hilft es, einen Karren, der im Dreck feststeckt, mit Vollgas weiter in dieselbe Richtung zu treiben.
Leider erleben wir in der Beratung von Ehepaaren häufig, dass sehr lange – manchmal zu lange – gewartet wird. Glücklich das Paar, bei dem einer von beiden den Rückwärtsgang einlegt, erfolglose Lösungsversuche wie Vorwürfe oder Rechtfertigungen als solche erkennt und gegensteuert. Wir erleben diesen Prozess in unserer Praxis für Paare als anstrengend. Aber wer dranbleibt, wird belohnt – mit neuer Leichtigkeit in der Beziehung.
Wie kann das gelingen?
Die Altlasten in angemessener Weise zur Sprache zu bringen, ist ein Ziel, das uns einiges abverlangt. Aber es ist möglich. Es geht darum,
Verständnis (Empathie) zu bekommen für das, was mich verletzt hat und
bereit zu sein, wirklich zu durchfühlen, was wir dem Partner angetan haben
Man könnte es mit dem Abtragen alter Tapeten vergleichen. Eine Aufgabe, die wenig Freude macht, aber sinnvoll ist. Das ist immer noch besser als gleich die Mauer niederzureißen (Scheidung) oder einfach drüberzukleistern ("Weiter so!").

Nach diesem Prozess kann Vergebung ausgesprochen und zugesprochen werden – vor Gott und vor dem Partner. Friede und Leichtigkeit können wieder in das Eheherz einziehen. Bei Hesekiel 36,26 heißt es:
„Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist geben. Ich nehme das versteinerte Herz aus eurer Brust und gebe euch ein lebendiges Herz.“
Das ist eine Zusage mit großer Kraft. Interessanterweise spricht der Prophet Hesekiel hier in einem Zug von Herz und Geist. Das Herz ist versteinert und der Geist trübe. Genauso erleben es viele Paare auch in ihrer Ehe. Die geistliche und seelische Gemeinschaft leidet immens. Die Ehe wird funktional und verliert ihre Leichtigkeit.
Die gute Nachricht ist: Gott sieht diese Versteinerung durchaus als etwas an, das im menschlichen Leben vorkommt – und er hat einen Weg vorgesehen, wie daraus wieder Lebendigkeit entstehen kann.
Ein lebendiges Herz ist gut durchblutet und schwingungsfähig. Das macht hoffnungsvoll aus jeder Perspektive!
Tipp
Schreibe deine Verletzungen – möglichst konkrete Situationen – in drei bis fünf Punkten auf.
Formuliere klar, was dich verletzt hat, und sprich zuerst mit Gott darüber, bevor du mit deinem Partner darüber sprichst. Gerne unterstützen wir Dich/Euch in dem Prozess...




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